Die Heizdeckenfahrt für Mountainbiker

Postauto-Cabriolet (Postauto-Tour)

Ein eigenes Postauto inklusive Fahrer, Guide und Anhänger für die Mountainbikes – in Graubünden ist das möglich. Statt Heizdecken gibt es Singletrails. Der Begriff einer Busreise bekommt auf der Postauto-Tour eine ganz neue Bedeutung. Ein Erlebnisbericht.

Ein wenig zerknirscht ging ich letzten Herbst nach der feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier ins Bett. 38 Jahre, dachte ich mir, das ist doch noch kein Alter! Und trotzdem erhielt ich von meinen Kumpels
eine Busreise geschenkt. So etwas kriegt man allenfalls zum Siebzigsten, aber ich bin gerade mal bei der Hälfte. Wenigstens kündigten sie an, dass sie alle mit von der Partie sein werden. Dann wird die Reise sicherlich unterhaltsam, wenigstens das.

Das war vor rund zehn Monaten, jetzt sind wir die Reise angetreten. Ich grinse über beide Ohren. Meine Freunde haben mir damals bloss die halbe Wahrheit gesagt. Der Reisebus ist in Wahrheit ein Schweizer Postauto und zieht einen Anhänger mit unseren Mountainbikes hinterher. Andere Gäste gibt es während der kommenden drei Tage nicht, der Cabrio-Bus gehört exklusiv uns. Mit von der Partie sind einzig Meini, der Busfahrer, und Niculin, der Guide. Letzterer mustert uns von Kopf bis Fuss und meint dann trocken: «Ihr riecht nach Singletrails!». Er habe bereits eine Route im Kopf, die uns passen dürfte. Bei Bedarf könne er diese aber jederzeit anpassen – unseren Fertigkeiten, dem Wetter oder der Moral entsprechend. Während Niculin in Chur unser Gepäck im Bus verstaut und Meini auf dem Hänger die Bikes festzurrt, umarme ich jeden einzelnen meiner Freunde. Ein passenderes Geschenk als die Postauto-Tour hätten sie sich nicht ausdenken können.

Keine fünf Minuten später knurrt der Motor des Kleinbusses, und wir fahren los in die Berge. Das Einzugsgebiet der Postauto-Tour sei der ganze Kanton Graubünden, meint Niculin. Es gebe hier kaum noch einen Trail, den er nicht kenne. Und Meini sagt trocken, dass es wiederum kein befahrbares Bergsträsschen gebe, das er nicht schon mit einem Bus angesteuert hat. Einzige Fixpunkte der Tour sind die zwei Hotelübernachtungen, eine im Engadin und die andere in der Lenzerheide. Der Rest ist à la carte.

Shuttle ohne Freeride-Ambitionen

Postauto-Tour

Meini kutschiert uns erst einmal nach Davos, wo wir vom Sessel auf den Sattel wechseln, von der Strasse auf den Singletrail. Er benötigt keine zwei Minuten, um alle Bikes vom Hänger zu laden. Jeder Handgriff sitzt. Nur ein Rad bleibt oben. Meini grinst verschmitzt. Das sei seines. Vielleicht ergebe sich ja eine Gelegenheit, dass er auf einem Abschnitt mitfahren könne, und für diesen Fall sei dann die Fahreruniform in Sekunden durch Bike-Klamotten ersetzt. Meini hätte uns noch ein Stück weiter hochgefahren, doch wir haben darauf bestanden, die 300 Höhenmeter selber zu bewältigen. Geschwätzig wie eine Rentnergruppe kurbeln wir das Strässchen hoch. Mit zunehmender Distanz wird dieses steiler und wir ruhiger.

Als schliesslich auch der letzte unserer Gruppe statt quatschend nun keuchend unterwegs ist, steigt Niculin vom Rad. «Jetzt stehen Singletrails auf dem Programm.» Sagts und verschwindet hinter der nächsten Kurve. Im Rudel nehmen wir die Verfolgung auf. Der wellige Kurs ist erstklassig. Meist führt er leicht bergab, immer wieder stehen auch kurze Anstiege an. Links, rechts, dann auf eine kleine Brücke, schadlos zwischen Steinen  hindurch, es folgt eine Wurzelpartie, und schliesslich stehen wir inmitten der Landwasserschlucht. Wir klatschen gegenseitig ab: Was für eine tolle Busreise! Die wieder eingekehrte Plauderei hält nicht lange. Die Route führt nun einen wurzeligen Trail hoch, Einzelne meistern ihn fahrend, die meisten jedoch schieben hier das Bike für einige Meter.

Die Postauto-Tour ist alles andere als ein Freeride-Abenteuer mit Shuttle-Bus. «Der Bus ermöglicht uns, längere Aufstiege oder Transfers zu überbrücken und damit viel grössere Touren zu fahren. Sportlich gesehen ist die Postauto-Tour aber eine ganz normale Mountainbike-Ausfahrt», erklärt Niculin. Der Eindruck bestätigt sich wenig später, als wir auf dem Albulapass unter der Beobachtung einer Rentnergruppe die Räder erneut vom Hänger laden. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite führt unsere Route über einen gut ausgebauten Trail die steile Bergflanke hoch. Der Abfahrtsspass will auch auf einer Busreise hart verdient sein.

Wieder meistert Niculin die ganze Strecke im Sattel, ein paar Unsrige tun es ihm gleich. Eine Dreiviertelstunde benötigen wir zur prächtig gelegenen Es-cha-Hütte. Kaffee und Kuchen sind angesagt – wie auf jeder anständigen Busreise. Bloss ist hier die Kulisse ungleich spektakulärer. Im Rücken macht sich der felsige Piz Kesch breit, unter uns liegt der weite Talboden des Oberengadins, dahinter glitzern die Gletscherformationen des Berninamassivs. Als wir eine bombastische Singletrail-Abfahrt später beim Hotel eintreffen, sitzt Meini bereits beim Feierabendbier. Wo er den Bus versteckt habe, wollen wir wissen, um unser Gepäck auszuladen. Er lächelt. «Die Taschen befinden sich bereits auf den Zimmern.» Das Bier geht auf unsere Rechnung!

Posthorn als Stimmungskanone

Postauto-Cabriolet (Postauto-Tour)

Am Morgen früh gibt es bereits um sieben Uhr Frühstück. Statt seniler Bettflucht treibt uns die latente Trail-Sucht aus den Federn. Niculin lässt uns die Wahl zwischen einer gemütlichen Tour über den Julierpass in Richtung Lenzerheide oder einer «kompakteren» Version, die zusätzlich die Abfahrt ins Puschlav enthält. Die Entscheidung fällt schnell und einstimmig. Der Trail vom Berninapass nach Poschiavo gilt als Klassiker, den wir uns nicht entgehen lassen.

Die Luft ist klar und kühl, als wir frühmorgens in die Abfahrt steuern. Die Gletscherformationen von gestern Abend liegen nun unmittelbar über uns, doch Zeit für die Musse bleibt keine. Wir wollen testen, wer zuerst in Poschiavo ankommt: Meini mit dem Bus oder wir auf dem Bike? Wir geben alles, fliegen den noch menschenleeren Trail förmlich bergab, und als wir mit brennenden Armen beim Bahnhof einfahren, tut Meini so, als wäre er schon eine ganze Weile hier – doch die warme Motorhaube verrät ihn. Wir einigen uns auf Unentschieden.

Der Weg zurück ins Engadin und hoch zum Julierpass dauert in der Folge über eine Stunde. In unserer Reisegruppe herrscht unterdessen eine ausgelassene Stimmung. Zum Spass lässt Meini auch immer wieder das typische Dreiklanghorn der Schweizer Postautos aufheulen, und wir johlen wie Fussballfans ein «Tütato» hinterher. Später ist der Ball
wieder bei Niculin. Er entschuldigt sich, dass auf dem ersten Abschnitt der kommenden Strecke der Singletrail-Anteil etwas dürftig sei, aber spätestens nach der Alp Flix sei die Welt wieder in Ordnung. Er wird recht behalten. Die Abfahrt von der idyllischen Hochebene vorbei an Savognin bis zum fulminanten Schlussstück bei Tiefencastel gehört wahrlich zu den besten Strecken weit und breit. Wir johlen jetzt auch auf dem Bike, und Meini muss uns schon von Weitem hören, als er am Ende des letzten Trails auf uns wartet.

Er erspart uns den letzten Aufstieg in die Lenzerheide, und wir bestehen später darauf, das Gepäck selber ins Zimmer zu schleppen. Die Runde Feierabendbier geht trotzdem auf unsere Kappe. Der Abend nimmt später feuchtfröhliche Dimensionen an. Ich fühle mich gleich 15 Jahre jünger, doch am Morgen danach ebenso viele Jahre älter. Meinen Freunden geht es nicht besser. Wir lassen uns nichts anmerken, als Niculin zum Einstieg einen Aufstieg präsentiert. Erst ein paar knifflige Stellen in der Abfahrt wecken schliesslich die Lebensgeister. Der lange Singletrail nach Thusis gehört zur Spitzenklasse, und eh wir uns versehen, sitzen wir bereits wieder im Bus.

Der Glaspass und die lange Abfahrt durch das Safiental stehen an. Das ist der eher gemütliche Teil des Tages, bis plötzlich unzählige scharfe Singletrail-Serpentinen  ankündigen, dass es nun wieder zur Sache geht. Niculin schaut sich nochmals um, und es ist unschwer zu erkennen, dass er nun ein ungewöhnliches Lächeln aufsetzt. Seine Ankündigung: «Nicht stürzen jetzt.» Konzentriert steuern wir den steilen Trail bergab, bis Niculin bei einer Linkskurve vom Rad steigt.

Erst da nehmen wir die Kulisse wahr. Wir befinden uns in einer der steilen Flanken der Rheinschlucht. Gegenüber ragen riesige Felsformationen aus dem Wald, fast senkrecht unter uns rauscht der junge Rhein. Die Szenerie ist wahrlich einzigartig. Der Wald lichtet sich zunehmend und lässt einen immer weiteren Blick in die Schlucht zu. Phänomenal! Dem Ufer des Rheins entlang führt ein feiner, sandiger Trail. Wir folgen diesem weitgehend durch die gesamte Schlucht. Es ist eine Fahrt für die Sinne. Durch zum Teil skurril wirkende Landschaften schlängelt der Trail zwischen Wasser, Felsen und Wälder in einem Auf und Ab flussaufwärts. Was für ein fulminanter Schlussteil.

In Ilanz wartet bereits Meini wieder auf uns. Als Mountainbiker kennt er die Rheinschlucht bestens, und er weiss genau, aus welchem Grund unsere Stimmung erneut so ausgelassen ist. Wir laden ihn für einmal nicht zu einem Bier, sondern zu einem üppigen Coupe Dänemark ein. Die Runde Eiscreme übernehme ich. Denn Freunde, die mir eine solche Busreise schenken, sind unersetzlich! Und während ich mich noch über meine Eisbecher hermache, da denke ich: Hoffentlich kriege ich von den Jungs mal eine Kreuzfahrt geschenkt. Da will ich dann sehen, was sie daraus machen.

Die Postauto-Tour – als Standard- und Premium-Tour buchbar

Promobild Postauto-Tour

Herbert bietet die Postauto-Tour als Standard-Tour über wahlweise drei oder vier Tage an. Startort ist dabei Scuol, mit je einer Übernachtung inklusive Frühstück in Val Müstair, Poschiavo sowie auf der viertägigen Tour in Lenzerheide, endet die Tour in Chur. Der Gepäcktransport ist organisiert, im Trailbook enthalten sind der ausgeklügelte Routen- und Zeitplan sowie die GPS-Tracks. Die Standard-Tour wird selbständig in Angriff genommen, zum Einsatz kommen Postautos der Linienkurse. Das Package der Postauto-Tour in der Standard-Variante kostet ab 655 Franken und ist von Juli bis Mitte Oktober buchbar.

Die Premium-Version der Postauto-Tour wird auf die jeweilige Gruppe zugeschnitten. Dabei bekommt man sein eigenes Postauto, einen Guide sowie den individuell zusammengestellten Routenplan. Dieser kann während den zwei bis fünf Tagen täglich an die Wünsche, Fähigkeiten oder das Wetter angepasst werden. Im Package inklusive sind die Übernachtungen inklusive Frühstück, die Routenplanung durch den Guide sowie die Fahrten mit dem Postauto. Das Datum kann im Saisonzeitraum von Juli bis Ende Oktober frei gewählt werden. Ein Angebot für die Postauto-Tour in der Premium-Version erstellt Herbert gerne auf Anfrage, je nach Verfügbarkeit wird dabei das Cabrio-Postauto eingesetzt.

Jetzt das Package zur Postauto-Tour buchen: postautotour.bike

 

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Spundisstrasse 21, CH-7000 Chur


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