Einfach aber sinnlos: Mit Verboten gegen die Mountainbiker

Die mehrfachen Bike-Verbote der Gemeinde Samedan sind das jüngste Beispiel, wie einzelne Gemeinden versuchen, mit Verboten den Mountainbikern etwas entgegen zu setzen und den Wanderern entgegen zu kommen. Dass solche Vorgehen nicht funktioniert, meist gar den gegenteiligen Effekt hat, darüber hat sich Ride-Herausgeber Thomas Giger bereits im Jahr 2011 in seiner Kolumne Gedanken gemacht.

Bike-Verbot am Monte Lema

Kaum hatten Gary Fisher und seine Freunde das Mountainbike erfunden, zierten auch schon erste Bikeverbotstafeln die Trails zwischen Marin und München. Verändert hat sich seither kaum etwas. Bis heute sehen viele in uns Mountainbikern eine Gefahr. Uns gilt es noch immer mit Verbotstafeln einen Riegel zu schieben. Doch einzelne Tourismus-Destinationen, aber auch Verbände und sogar die Vereinigung aller Wanderer sehen dies nun anders und schreiben sich gegenseitige Toleranz auf die Fahne. Sie stehen heute für das einvernehmliche Miteinander von Wanderern, Mountainbikern, Jägern, Landbesitzern oder Bauern ein. Das ist lobenswert. Doch zwischen den Zeilen markiger Positionspapiere lässt man sich stets die Option offen, Mountainbiker auch in Zukunft in die Schranken weisen zu können.

Wahre Toleranz würde aber auch eine gleichwertige Behandlung und die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten bedeuten. Sind Wanderer, Jäger, Landbesitzer oder Bauern den Mountainbikern jemals spürbar entgegengekommen? Haben sie jemals  offensichtliche Eingeständnisse gemacht? Es sind stets die Mountainbiker, die Federn lassen müssen. Das hat mit Toleranz wenig zu tun. Tourismusorganisationen und Gemeindebehörden handeln auch künftig nach dem Credo: im Zweifelsfall ein Bikeverbot. Diese «Lösung» ist einfach, schnell, günstig.

Dabei haben gerade für Tourismus-Destinationen Bikeverbotstafeln eine fatale Konsequenz. Sie vermitteln dem zuvor aktiv umworbenen Mountainbiker das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Trotzdem sollen Mountainbiker aber Hotelbetten belegen, Bergbahn-tickets kaufen und in Berghäusern einkehren. Auf Singletrails duldet man sie nur so lange, wie sie niemandem in die Quere kommen. Durchdachte Bikeverbote sind durchaus sinnvoll, das wissen auch wir Mountainbiker. Doch vielerorts verfällt man zu schnell dem Reiz, Konflikte mit Bikeverboten zu lösen. Und bei Verboten gilt es dann für die Mountainbiker: ab auf die Forststrasse. Würdige Alternativrouten über Singletrails sind fast nie eine Option. Verwundert nehmen die Behörden schliesslich zur Kenntnis, dass diese Verbote nicht eingehalten werden. Doch die Missachtung zeugt von sträflichem Unverständnis uns Mountainbikern gegenüber.

Der trendige Aufruf zu Toleranz und Gleichberechtigung würde in der Konsequenz bedeuten, statt einem Bike- auch einmal ein Wanderverbot zu prüfen. Für einmal den Mountainbikern den Zugang zum Singletrail zu gewähren, dafür Wanderer auf die Forststrasse zu verweisen – es wäre ein historischer Tabubruch. Was nach einer utopischen Forderung tönt, wäre gelebte Gleichberechtigung und die Konsequenz aus der Forderung nach Toleranz. Es wäre ein deutliches Zeichen einer Region, uns Mountainbiker nicht nur in den Hochglanzbroschüren als vollwertige Gäste zu akzeptieren und zu tolerieren, sondern den grossen Worten auch Taten folgen zu lassen.

Kolumne erschienen in Ausgabe 02/2011 in Ride Magazin.

 

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