Laax: Gelungene Premiere der «Freeride-Rallye»

Schon bei der Erstellung permanenter Abfahrtsstrecken spielte Flims-Laax in der Deutschschweiz eine Pionierrolle. Weil die nationale Abfahrts-Rennserie in Folge Sponsorenmangels abgesagt werden musste, wagte die Alpenarena 2002 einen neuen Ansatz: Mit der «Freeride-Rallye» feierte am letzten Juni-Wochenende ein Format Premiere, das vom Profi bis zum Wochenend-Downhiller alle begeisterte.

Wie bei einer Auto-Rallye waren mehrere Spezialprüfungen zu absolvieren. Aus dem Total der erzielten Rangpunkte pro Fahrer wurde dann das Gesamtklassement errechnet: Wer am wenigsten Punkte sammelte, stand am Sonntag Nachmittag als Sieger fest (was der Autor nicht ganz begriffen hatte: Er hortete möglichst viele Punkte und wunderte sich dann über seine schlechte Klassierung) und konnte den Siegercheck in Höhe von Fr 2000.- in Empfang nehmen. Als Basis für das Rennwochenende diente das Sportzentrum Prau la Selva, von wo aus alle Strecken in kürzester Zeit zu erreichen waren. Zahlreiche Streckenposten und die professionelle Zeitnahme durch die Firma ALGE Timing garantierten einen reibungslosen Ablauf.

Vielseitigkeit gefragt: Vom feinen Händchen...

Die drei Disziplinen der Freeride Rallye verlangten den Startern verschiedene Qualitäten ab: Im ersten Lauf, dem «Freeride Trail», waren am Samstag Mittag neben Ausdauer vor allem Bikebeherrschung und Geschick gefragt. Denn die Rennstrecke war eine mit diversen Wurzeln und Steinblöcken gespickte Achterbahn, die keine Verschnaufpause bot und Mensch wie Material drei à vier Minuten lang einiges abverlangte. Da Profis wie Hobbyfahrer den Start Kraft ihrer eigenen Muskulatur erreichen mussten, blieb die Anzahl Trainingsfahrten begrenzt. Als schnellster Singletrailer erwies sich der Junioren-Weltmeister von 1995, Markus Klausmann (D), vor Peter Monsch (Pragg-Jenaz)und Rafael Rhyner (Glarus).

...über schnelle Beine...

Auf der Tartanbahn der Sportzentrums Prau la Selva liessen die versammelten Freerider am Abend darauf die Beine wirbeln: Im Nachtsprint sollte ermittelt werden, wer am meisten Schnellkraft zu bieten hat. Einen Vorteil hatten dabei all jene, die neben dem vollgederten Abfahrtsbike auch noch ein leichtes Bike ohne Federung in die Alpenarena mitgebracht hatten. Markus Klausmann gab sich bis ins Finale keine Blösse und sicherte sich den zweiten Disziplinensieg vor dem Walliser Philipp Zenklusen und dem jungen Liechtensteiner Stephan Noser. «Oldie» Köbi Lieberherr fuhr trotz seiner vierzig Lenze auf Rang Vier und bestätigte damit eindrücklich die starke Leistung vom Mittag, als er den fünften Rang belegt hatte. Dafür musste Peter Monsch seine Podestträume schon nach dem ersten Lauf begraben, weil er einen viel zu grossen Gang gewählt hatte und kaum vom Start weg kam.

...bis zur Risikobereitschaft

Wer am Samstag Abend beim Konzert der Münchner Band «Les Babacools» zu heftig gefeiert hatte, bereute es spätestens am Sonntag Mittag: Denn als Krönung stand ein äusserst technischer, steiler «Freeride-Downhill» im Wald an, der auf gut 900 Metern Länge alles bot und noch viel mehr forderte. Viele Plattfüsse und einige glimpflich verlaufene Stürze waren genauso Beleg für die selektive Strecke wie die Tatsache, dass von den zehn zuletzt startenden Favoriten fast alle mit ihrer Fahrt unzufrieden waren und bei der Zieldurchfahrt entsprechend die Hände verwarfen. Mit Mark Woodtli (Trin-Mulin) konnte einer der Lokalmatadoren dem deutschen Favoriten Klausmann ein Schnippchen schlagen und sich als Disziplinensieger feiern lassen. Dabei profitierte er aber davon, dass Ueli Guntli (Mels) die Zielpassage nicht besichtigt hatte und sich 20 Meter vor der Zeitnahme fast verfahren hätte - am Ende fehlten ihm nur acht Zehntel auf Woodtlis Zeit! Als Trost für sein Pech im ersten Rennen - trotz Kettenriss hatte Rang neun resultiert - sicherte sich Philipp Zenklusen (Ried-Brig) den dritten Rang, noch vor Klausmann, der sich einen Platten am Hinterrad eingefangen hatte und darum mit Rang vier Vorlieb nehmen musste.
 

Zahlen und Fakten

Bei der ersten «Freeride-Rallye» in Flims-Laax waren 46 Fahrer und 2 Fahrerinnen an den Start - ausser zweien konnten auch alle fürs Gesamtklassement gewertet werden. Ariane Ehrat, die Presseverantwortliche der Alpenarena, sah als Hauptgründe für das kleine Starterfeld erstens die Schwierigkeit, das komplett neue Rennformat zu kommunizieren und zweitens die Konkurrenz durch den Dualcup-Lauf in Schaffhausen. Fürs kommende Jahr sollte eine Steigerung aber locker drin liegen: So war nur ein Stadtzürcher am Start, und Städte wie Bern fehlten komplett.

Der jüngste Starter war Oliver Balwin (Ponte Tresa) mit Jahrgang 1988, während MOVE-Photograph Dennis Savini trotz Jahrgangs 1955 im Downhill so manchen jungen Heisssporn hinter sich lassen konnte.

Die wohl ungewöhnlichste Starterin war Christa Balwin: Zur Betreuung ihres Sohnes und als Chauffeuse aus dem Tessin angereist, nahm sie mit 39 Jahren erstmals und spontan an einem Rennen Teil. Als Belohnung dafür, dass sie mit dem Hardtail ihres Sohnes alle Strecken meisterte, sicherte sie sich das Preisgeld für Rang Zwei. Gratulation, Christa!
 

Statements

Markus Klausmann (fährt dieses Jahr für Intense Deutschland und konzentriert sich daher auf den Maxxis International Cup und die Läufe der Deutschen Bundesliga, Worldcup-Läufe in Übersee sind aber nicht im Programm):
"Die «Freeride-Rallye» ist eine super Sache. Das Format verlangt von den Fahrern Konstanz, Flexibilität und Vielseitigkeit, zudem ist das Preisgeld sehr attraktiv. Aber: Es wär sinnvoll, zwingend den Einsatz von nur einem Bike vorzuschreiben, um eine Materialschlacht zu vermeiden."

Rafael Rhyner:
"Ich war zu Beginn noch skeptisch und hielt den Dual in Schaffhausen als Alternative in der Hinterhand. Aber mein Vertrauen in die Organisatoren der Alpenarena und die tollen Strecken haben mich am Samstag früh morgens überzeugt, in Flims anzutreten. Der Anlass ist voll geil, es sollte mehr solcher Rennen geben: Viel Singletrail, entspannte Stimmung, back to the roots!"

Jakob "Köbi" Lieberherr:
"Die «Freeride-Rallye» war mein erstes Rennen nach zwei Jahren Pause: Ich konnte mich hier wieder an den Rhythmus gewöhnen und für Wheeler das neue Downhill-Bike testen. Super ist, dass hier alle teilnehmen können: Die Tempi und damit die Verletzungsgefahr sind nicht so hoch, zudem sind die Strecken auch ohne Downhill-Bike gut zu fahren."

Marc Woodtli:
"Für mich als Local ist der Sieg im «Freeride-Downhill» wunderbar, vor allem, weil ich bei meinem Lauf einem Baum einen Bodycheck verpasst habe. Für nächstes Jahr wär eine Hardtail-Kategorie toll, um noch mehr Leuten den Einstieg in die Rennszene schmackhaft zu machen - zumal die Strecken auch für Normalsterbliche zu bewältigen sind. Dann brauchts aber auch mehr Teilnehmer."

 

 

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