Trailfox: Woodstock der Freerider

Das Woodstock der Freerider heisst Red Bull Trailfox und es hat viele Gesichter. Hauptorgan ist das Fahrerlager auf dem Parkplatz an der Talstation Laax, wo sich Bike-Werkstatt an Bike-Werkstatt reiht und die Grille um die Wette rauchen. Wie jedes Jahr hätten noch ein paar hundert Biker mehr mitfahren wollen, als die gut dreihundert, denen die Gnade zuteil wurde, die erste Etappe, den Nighttrail unter die Räder nehmen zu dürfen.

René Wildhaber beherrscht diese Strecke, die zum guten Glück seit Jahren nicht verändert wird, wie kein zweiter und stellte eine unschlagbare Zeit auf. Den Auftritt des Freitagabends hatte jedoch jener Basler, der neben der üblichen Scheinwerferanlage vorne, hinten eine bengalische Fackel montiert hatte. Gut hat das der Förster nicht gesehen.

Red Bull Trailfox lebt auch von der unablässig labernden Moderation von Frank "Lippe" Weckert. Mit gelegentlichen Ausflügen in den Dadaismus ("Die Guano Apes geben im Red Bull Jeep alles) und Anleihen bei Helge Schneider ("super Zeitmessung") hält er Publikum und Riders drei Tage lang vom ersten bis zum dreihundertsten Fahrer bei Laune.

Es ist ja bekannt, dass an der Freeride Rallye mehr pedalt oder geschoben werden muss als an anderen Abwärtsrennen, weil kein Lift zum Start führt. Stage 2 trieb den tretfaulen Freeridern aber definitiv Krampfadern in die Waden. Dass man auch geradeaus über die Wurzeln fliegen kann, bewies einmal mehr Wildhaber, der auch die zweite Etappe, den mit wenig Höhendifferenz gesegneten Runca Trail souverän gewann.

Dann waren aber erstmal andere Qualitäten gefragt. Am Samstagabend spielte die Musik im Dirt- und Droppark an der Laaxer Talstation. Darren Pokoj, vor Wochenfrist Fünfter des Slopestyle Contests in Saalbach-Hinterglemm, packte mehr Tricks in einen einzigen Run, als die meisten anderen Rider zusammen drauf haben. Damit gewann er nicht nur diese Etappe, sondern auch noch einen Zusatzbatzen im Best Trick-Contest. Auch die beiden schnellsten Frauen, Mirjam Ruchti und Doro Lindtke wagten sich über die Drops und Dirt Jumps. Doro schlug Mirjam und beide holten sich viel Respekt (ganz besonders Mirjam, die den 4m Drop sprang). Einmal mehr übertreiben musste Thomas "Schumi" Schuhmann, der nach einer Serie von schönen Backflips und Backflip Tabletops einen No-handed Backflip probieren musste und auf dem Rücken landete. Er hats ohne bleibende Schäden überlebt, und gescheiter ist er daraus wahrscheinlich auch nicht geworden. Noch eine Sensation bot der Slopestyle Contest: René Wildhaber landete mit origineller Linienwahl und seinem ersten One-handed Air seit 1999 auf dem siebten Platz. Sein Gesamtsieg war damit - Sturz in der letzten Etappe ausgeschlossen - gegessen.

Pünktlich zum Beginn der Open Air Riders Party am Caumasee öffnete der Himmel seine Schleusen. Reggea ist, wenn man trotzdem lacht und so wippten trotz Dauerregen hunderte Festfreudige mit, bis das Alpen-Reggea-Kollektiv "Signal From Mountain" ihr Soundsystem ausschalteten.

Dafür war der eine oder andere am Sonntag vor der letzten Etappe etwas weniger schlecht in Form, als das in anderen Jahren der Fall war. Aber auch nur der eine oder andere. Vorjahresgesamtsieger Ueli Guntli hatte noch etwas gut zu machen, was er in der letzten Etappe mit der Bestzeit tat und zwar mit leckem Schlauch aber zum ersten Mal ohne Sturz ins Ziel kam. Wildhaber nahm einen Gang raus und wurde dennoch Zweiter. Mirjam Ruchti schlug Doro Lindtke zum dritten Mal um wenige Sekunden und wurde Trailfox Lady. Sie und Wildhaber durften danach ein Kunstwerk aus dem Atelier von Laax-Impresario Reto Poltera entgegen nehmen, das in ein paar Jahren auf dem internationalen Kunstmarkt mit Sicherheit Millionen wert sein wird.

Auch die anderen fast dreihundert Fahrer, die ohne Preis nach hause mussten, waren zufrieden und jene die es nicht waren, hatten das infolge totaler Erschöpfung nach drei Tagen Dauerbiken wahrscheinlich vergessen. Der nächste Red Bull Trailfox kommt bestimmt. Hoffentlich wieder genau so, wie in den letzten drei Jahren.

Rangliste Red Bull Trailfox Laax 16. - 18. Juni 2006

Damen
1. Mirjam Ruchti (Sennhof)
2. Doro Lindtke (Bonn, D)
3. Sarah Hänggi (Büren)

Herren
1. René Wildhaber (Flusmerberg)
2. Axel Lehmkuhl (Düsseldorf, D)
3. Ueli Guntli (Mels)

Slopestyle Best Trick
1. Darren Pokoj (AUS)
2. Andreu Lacondeguy (ESP)
3. Lluis Lacondeguy (ESP)

 

 

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