Vivabike-Festival – die kühle Blonde oder die adrette Brunette?

San Romerio (Poschiavo)

Nach der Erstaustragung im Jahr 2017 mit gerademal vier verkauften Fullpass-Packages hätte so manch einer gesagt: «Wir haben es probiert und sind gescheitert.» Doch manchmal braucht es überzeugten Durchhaltewillen. Wie bei den Organisatoren des Vivabike-Festivals in Poschiavo. Mit viel Herzblut und Engagement haben sie zum zweiten Mal ein perfekt organisiertes Bike-Festival auf die Beine gestellt – dieses Mal mit einer weitaus stattlicheren Teilnehmerzahl. Der Verkauf der Fullpass-Packages wurde verzehnfacht, und auch der Verkauf von Tagespässen wurde gesteigert.
 

Wir sind hier nahe an Italien

Bereits beim Einchecken im Sporthotel Raselli, welches Bruno der Chef persönlich erledigt, wird klar, dass dies nicht irgendein Bike-Wochenende wird. Es ist regelrecht ein Feuer in den Augen des Hoteliers zu sehen. Ein Feuer, welches an diesem Wochenende zu 100 Prozent für das Vivabike-Festivals brennt. Mit grossem Stolz erläutert er das Programm und weist auch darauf hin, dass zusätzlich noch das Finale der Champions League live übertragen wird. «Dies ist zwar nicht ganz legal, aber wir sind hier ja nahe an Italien» meinte er mit einem Schulterzucken. Und diese dürfen bekanntlich ja nicht an den Weltmeisterschaften mitkicken, die Armen!
Neben Bruno Raselli steht auch ein anderer bekannter Name hinter dem Festival. Darco Cazin von Allegra Tourismus. Er gibt am Samstag den Startschuss für die geführten Mountainbike-Touren. Mit wertvollen Tipps, was den Genuss auf dem Mountainbike, aber auch den kulinarischen Genuss angeht, hat er die Teilnehmer auf die Tour geschickt. Verteilt auf drei verschieden Routen, haben sich die zahlreich erschienenen Mountainbiker aufgemacht, um die ersten Höhenmeter bequem im gelben Postauto zurückzulegen.
 

Der Klassiker nach San Romerio zum Start

Wir entscheiden uns, die Tour über San Romerio nach Tirano in Angriff zu nehmen. Nachdem uns der gelbe Shuttle bequem die ersten rund 600 Höhenmeter hochgefahren hat, ist zuerst ein rund zehnminütiger Aufstieg hoch zu pedalieren, bevor es bereits in den ersten Singletrail geht. Für mehrere Kilometer führt der Trail in stetigem Auf und Ab dem Hang entlang, bis schliesslich der Aufstieg zum höchsten Punkt des Tages beginnt. Am Ende der Kiesstrasse, bevor der Trail zur Kirche von San Romerio beginnt, können beim Rustico des Guides noch die Trinkflaschen aufgefüllt und die Aussicht genossen werden. Die Tourenbeschreibung der Veranstalter verspricht nicht zu viel. Mit viel Flow schlängelt sich der Trail dem Hang entlang runter bis zum Rifugio San Romerio. Der prefekte Platz für das Mittagessen!
Nach der Stärkung führt die Tour zwischenzeitlich auf Schotter- und Asphaltstrassen bis zur Grenze zwischen Italien und der Schweiz. Dann wird es wieder knackiger. Ein teils anspruchsvoller, meist jedoch flüssiger Trail führt runter bis nach Tirano. Die Ankunft stellt sich als Punktlandung heraus, denn keine zehn Minuten später fährt der RegioExpress der Rhätischen Bahn zurück in Puschlav. Eigentlich schade, hätte uns das Fräulein bei der Gelateria doch so nett angelächelt.
Im Zug treffen wir auf den nächsten bekannten Namen: Martin Vincenz, seines Zeichens Geschäftsführer von Graubünden Ferien, im Herzen aber primär Mountainbiker und auch er ein Teil des Viva Bikefestivals. Er ist es, der die Gruppe dazu überredet, in Poschiavo im Zug sitzen zu bleiben und von Cavaglia aus eine zusätzlich Abfahrt in Angriff zu nehmen. So einen Tourismusdirektor sollte man haben, werden sich Mountainbiker aus anderen Regionen denken. Zu recht.
 

Dann zum Col d’Anzana, dem nächsten Klassiker

Mag sein, dass Poschiavo nah bei Italien ist. Aber am Sonntag Morgen steht nicht der Kirchgang sondern der Kriechgang an. Jener des Postautos, das sich in aller Herrgottsfrühe die vielen Kurven in Richtung Col d’Anzana hochschraubt. Es gäbe auch heute mehrere Touren zur Auswahl, doch der Klassiker zum kleinen Schmugglerpass zwischen Tirano und Poschiavo ist für uns Pflichtprogramm. Eine 1800-Höhenmeter-Abfahrt gibt es schliesslich nicht alle Tage!
Wieder werden die ersten Höhenmeter mit dem Postauto und dem Bike auf dem Anhänger überwunden. Dieses fährt – wahrlich im Kriechgang – so weit es die Räder tragen – und verkürzt damit den Aufstieg auf gerademal 450 Höhenmeter. Grosszügig offeriert Guide Christian jedem, der den Anstieg komplett fahrend bewältigt, eine kühle Blonde. Vergeblich, die letzten Meter sind zu knackig. Macht nichts, denn alleine die Aussicht hier oben ist den Fussmarsch wert. Geschweige denn die Abfahrt. Der immer flüssiger werdende Supertrail zaubert jedem aus der Gruppe ein breites Grinsen in Gesicht. Gegen unten entpuppt sich der Trail immer ruppiger und kniffliger. Zumal viele der Steine von Laub bedeckt und durch das Gewitter am Vorabend etwas schmierig sind. In Tirano rollen wir grinsend ins Ortszentrum, und statt der kühlen Blonden gibt es eine kecke Brunette. Nämlich jene am Gelati-Stand, der wir gestern bloss noch aus dem Zugsfenster nachwinken konnten. Das machen wir heute besser!
 
Das unerwartete Mountainbike-Festival hat alle Erwartungen von Herbert übertroffen. Zum Schluss gibt es nur noch eines zu sagen: A bon sa vede in Valposchiavo! Wenn das Valposchiavo vom 24. bis 26. Mai 2019 zum dritten Vivabike-Festival lädt. In der Hoffnung für die sympathischen Veranstalter, dass sich der Ticketverkauf noch einmal verzehnfacht.

www.vivabike.ch

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