Von Scuol nach Chur im Velosattel

Beeindruckende 360° Panoramen von eben mühsam erklommenen Kreten, berauschende Abfahrten über moosüberwachsene Steine und entlang tosender Bäche, der Flug eines Bartgeiers auf Augenhöhe, und die Gastfreundschaft in den Bike-Hotels, das waren die Highlights unserer Dreitagestour mit dem Postauto.

Drei Tage auf dem Bike und mit dem Postauto durchs Bündnerland – ein Erfahrungsbericht

Beeindruckende 360° Panoramen von eben mühsam erklommenen Kreten, berauschende Abfahrten über moosüberwachsene Steine und entlang tosender Bäche, der Flug eines Bartgeiers auf Augenhöhe, und die Gastfreundschaft in den Bike-Hotels, das waren die Highlights unserer Dreitagestour mit dem Postauto.

Vor einiger Zeit hatten wir, Andrea, Janis, Michel und Susanne, uns trotz sehr unterschiedlichem Fitness- und Bikeskills entschlossen, uns zu viert ein paar Tage per Mountainbike in den Schweizer Alpen zu bewegen. Das Angebot von Herbert.bike überzeugte uns und so ging es am 6.8.16 bei besten Wetterverhältnissen auf ins Abenteuer.

Die Anfahrt nach Scuol mit der RHB verlief reibungslos und das Postauto nach S-charl erwartete uns und unsere Drahtesel bereits. Voller Elan und Vorfreude starteten wir in unseren ersten gut fahrbaren Aufstieg zum Pass da Costains und weiter über Lü und die Alp Tabladatsch nach Müstair. Die 24 Kilometer Distanz und 775 Höhenmeter bergauf hätten eigentlich eine leichte Übung sein sollen, aber wir waren noch nicht ganz auf unsere GPS-Apps kalibriert und mit einmal falsch abbiegen halsten wir uns gleich noch einige hundert Höhenmeter mehr auf. So kamen wir schliesslich, nach einem teilweise sehr anspruchsvollen Abstieg nach Müstair, ziemlich ermüdet im Hotel Alpina in Santa Maria an. Nachdem wir dank der tatkräftigen Unterstützung unseres Hoteliers Walter unser Gepäck aus der gegenüberliegenden, bereits geschlossenen Poststelle befreit hatten, durften wir ein ausgezeichnetes Nachtessen geniessen. Unser Tagesspruch fasst unsere Bilanz zusammen: Wär nöd stosst, de isch kein Biker, hoi, hoi!

Die zweite Etappe führte uns per Postauto auf den Umbrailpass. Auf zwei Rädern und notgedrungener Weise auch hie und da stossend, erklommen wir am zweiten Morgen die Bocchetta di Forcla und anschliessend die Bocchetta die Pedenolo. Der Ausblick entschädigte für jegliche Anstrengung und die müden Beine waren bei der folgenden rasanten Talfahrt unter der Beobachtung von mutigen Murmeltieren und eines dahingleitenden Bartgeiers schnell wieder vergessen. Unter schattigen Bäumen und stetig leicht bergab genossen wir die ca. 16 Kilometer entspannender Fahrt vom Lago die Cancano nach Amoga, bevor der letzte Anstieg zum Passo da Val Viola die Muskeln wieder brennen liess. Zum Glück lenkten verwunschene, kleine Seelein und eine Herde an uns vorbeigaloppierender Pferde uns kurz von der Ermüdung ab und so erreichten wir den Pass schneller als gedacht. Mit der Fahrt durch das Val da Camp, vorbei am Saoseo-See und dem herzlichen Empfang in der Albergo Croce Bianca in Poschiavo war es beschlossene Sache: Das war der schönste Tag, den wir je auf unseren Mountainbikes verbracht hatten!

Den finalen Tag starteten wir, nicht mehr ganz ohne Schmerzen und mit einem defekten Bike, um 07:15 Uhr. Unser Gastgeber, Claudio, hatte zwar am Abend zuvor alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Zweirad wieder fahrbar zu machen, aber leider waren die nötigen Ersatzteile nicht so schnell aufzutreiben gewesen. So verblieben Janis und seine zwei Räder auf dem Berninapass im Postauto, während wir übrigen drei wie geplant an der frischen Luft hinunter nach St.Moritz bikten. Der Zeitplan war eng, denn wir mussten um 10:30 Uhr unsere Extrafahrt auf den Julierpass erwischen. Wie sich herausstellte, waren wir die einzigen Passagiere und unser Privatchauffeur hatte sogar Zeit, ein Gruppenfoto mit uns zu machen. Janis’ Hinterrad war wieder wie neu und zu viert leisteten wir uns ein „battle“ mit den Autos und Lastwagen, mit denen wir uns die Passstrasse hinunter nach Bivio teilten. Der Sieg ging eindeutig an unsere zwei Herren. Etwas später, oberhalb des Marmorera-Stausees, hatten wir zwei Varianten zur Auswahl: Wieder runter bis zum Stausee und dann auf der Strasse hoch zur Alp Flix, oder unsere Veloroute verlassen und quer durch den Wald, auf Wanderwegen zum Gleichen Ziel. Die zweite Variante versprach uns eine Ersparnis von ca. 250 Höhenmetern und hatte damit schnell gewonnen. Zeit sparten wir, wie wir bald feststellten, kaum, denn der Weg war eindeutig besser geeignet zum Wandern als zum Fahren. Wir erreichten die Alp Flix dennoch und genossen die teilweise ruppige und steile Abfahrt nach Savognin. Den würdigen Abschluss unserer Tour bildete der Single-Trail vom Weiler Del nach Tiefencastel.

Die drei Tage waren ein unvergessliches Erlebnis! Wir fuhren oft und auf sehr abwechslungsreichen Single-Trails, bewegten uns durch wunderschöne Landschaften, trafen unterwegs auf viel freundliche Gesichter. Fast alles lief reibungslos, bis auf das Reisegepäck am letzten Tag. Leider waren wir etwas spät dran und konnten unser Reisegepäck nicht rechtzeitig am Bahnhof Chur abholen. Für trainierte Fahrer ist die Dreitagestour sehr abwechslungsreich, anstrengend, aber gut machbar. Für noch etwas weniger geübte Enduristen ist es eine Herausforderung sowohl technisch wie auch ausdauerbedingt. Die Ausdauer wird, so unsere Meinung, etwas unterschätzt und die Zeiten sind eher knapp bemessen. Dennoch können wir die Tour nur weiterempfehlen. 

Hier gehts zur Postauto-Tour
 

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