Flüela Schwarzhorn: die andere Seite von saublöd

Der Sonnenaufgang auf dem Flüela Schwarzhorn ist legendär bei den Wandersleut. Saublöd ist dann, wenn man keine Berge zu Fuss runtermarschieren will. Und dann den Versuch wagt, sich mit dem Mountainbike an das Schauspiel zu wagen. Doch was ist schon saublöd?
 
Ich habe es mehrmals versucht, es geht nicht. Einen Berg zu Fuss runter. Zuerst schmerzen die Füsse, dann die Oberschenkel, meist aber das Herz. Wenn ich einen Wanderweg zu Fuss runter muss, dann krieg ich diese unverbesserliche Sehnsucht nach meinem Fahrrad. Den Trail könnte man doch auch mit dem Bike fahren, hallt es dann permanent durch meine Hirnwindungen. Deshalb hört bei mir beim Abstieg in der Regel der Wanderspass auf. Und deshalb sieht man mich kaum je auf Bergen, die nur erwandert werden können. Zum Beispiel auf dem Flüela Schwarzhorn, einer der schönsten Sonnenaufgangsberge Graubündens. Gefühlt jedermann war schon oben auf diesem Gipfel. Ich nicht. Bis an diesem Juli-Morgen. Der Berg muss jetzt auch noch in mein Palmares. Aber: Ich schlepp das Mountainbike auf den Gipfel. Eine saublöde Idee eigentlich. Aber saublöd ist machmal saugut.
 
Von Angang an: Es ist zwei Uhr in der Früh, der Wecker klingelt. Wer kam eigentlich auf die saublöde Idee, im Juli zum Sonnenaufgang auf einen Berg zu steigen? Genau dann, wenn die Tage am längsten sind. Im Stile eines Sammeltaxis werden im Dunkeln der Nacht jene Freunde eingesammelt, die stets für jeden Saublödsinn zu haben sind. Drei sind es.
 
Im Rallyestil per Auto auf den Flüelapass, dann im Schneckentempo per Pedes weiter. Zu Fuss. Mit dem Bike auf den Schultern. Es ist jetzt drei Uhr in der Früh, jeder normale Mensch knurrt um diese Zeit in sein Kopfkissen. Wir knurren nicht, wir keuchen. Der Schweiss perlt dabei unter der Stirnlampe hervor. Schritt um Schritt kämpfen wir uns durch die Dunkelheit, 814 Höhenmeter sind es bis zum Gipfel, fahrbare Abschnitte: Null. Saublöd.
 
Wenig unterhalb des Gipfels legt die Dämmerung den ersten Zauber in die Berglandschaft. Das ist erst der Anfang. Auf dem zügigen Gipfel ist die Jacke übergezogen, dann grosses Kino. Die Sonne lässt ein Arrangement kleiner Wolken in knalligem Rot erleuchten bevor sie sich selber am Ortler vorbei zwängt. Daneben das gletschrigweisse Berninamassiv, davor der trotzige Kesch. Ein phänomenales Schauspiel. Das Flüela Schwarzhorn ist tatsächlich einer der besten Sonnenaufgangsgipfel der Schweiz.
 
Saublöd nur, dass neben uns am Gipfelkreuz vier Mountainbikes lehnen. So ist das halt mit dieser Wander-Abstiegs-Psychose. Es geht in die Abfahrt, funktioniert recht gut. Rumplig, rutschig, und immer wieder mal ein paar Meter zu Fuss. Den Flow findet man allerdings woanders. Wenigstens ergeht es uns allen gleich. Etwa 80 Prozent der Abfahrt meistern wir einigermassen fahrend.
 
Um acht Uhr in der Früh sitzen wir dann alle wieder im Büro. Als wäre nichts gewesen. Wir waren schon am Berg. Im Sonnenaufgang. In der Singletrail-Abfahrt. Und die anderen hier im Büro schaffen es um diese Uhrzeit gerade so knapp bis zur Kaffeemaschine. Saublöd war heute eigentlich saugut. Es dürfte nicht lange gehen, bis die nächste saublöde Idee im Raum steht.

Wer den Sonnenaufgang in den Bündner Bergen etwas weniger saublöd angehen will, lässt sich in St. Moritz beim «Piz Nair Sunrise» mit der Gondel zum Piz Nair fahren und geniesst inklusive Frühstück den oberengadiner Sonnenaufgang. Weitere Informationen auf www.piznair-sunrise.ch
 

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