Herbstbiwak

Wer gerne eine Biketour mit einsamer Lagerfeuerromantik macht, kommt im Hochsommer mit einer Isomatte und einem warmen Schlafsack bestens aus. Im Herbst jedoch, wenn die Temperaturen in der Nacht gegen den Nullpunkt sinken, braucht man dann etwas mehr Material. In diesem Fall ein spezielles Zelt extra für ein Bikebiwak.

Das Bike-Biwak

Es ist soweit, nun sollte mein neues Bikebiwak einem ersten Härtetest unterzogen werden. Ich habe es dieses Jahr von meiner Mutter mit den Worten «damit du dich nicht erkältest Bub» zum Geburtstag bekommen. Hab mich mega über das Geschenk gefreut. Bei dem Spruch von meiner Mutter guck ich aber etwas verschämt auf den Boden. Was sollen den meine Bikekollegen denken.

Am Glaspass

Ich mache mich also bei bester «Indian Summer Stimmung» daran meine sieben Sachen für ein Bike-Biwak zusammen zu suchen. Stelle dann noch freudestrahlend fest, dass das Biwak genau in die Knieschonerhalterung an meinem Bikerucksack passt. « Yeah, geil» denk ich. Weil ich eine Feuerstelle am ehemaligen Lüschersee ansteuere, kann ich Kocher und Topf zuhause lassen. Dafür ist mehr Platz für Cervelat und eine Dose Bier. Los geht’s. In der Abendsonne Richtung Glaspass. 1'150 Höhenmeter und zwei Stunden später komme ich nach meinem Start in Thusis kurz vor dem Sonnenuntergang oben an. Fast hätte ich in Masein noch in das Postauto einsteigen können. Ich habe mich aber dann doch für die verschwitzte Variante entschieden und habe den Glaspass mit eigener Muskelkraft erreicht. Nach zehn weiteren Minuten erreiche ich die Feuerstelle am ehemaligen Lüschersee. Die Sonne ist bereits untergegangen, es ist aber noch nicht ganz dunkel. Meine Unterkunft ist in fünf Minuten aufgebaut. Voller Stolz und mit riesigem Selbstbewusstsein mach ich mich nun daran Feuer zu machen.

Das schei……s Lagerfeuer

Nichts leichter als das. Wer ein Zelt in fünf Minuten aufbauen kann, der kann auch ein Lagerfeuer machen. Der erste Versuch scheitert kläglich. Das Holz ist feucht und es ist schon fast dunkel. Ich suche mir einen Büschel trockenes Gras von der Wiese. Das Gras brennt auch kurz und ich puste, puste und puste….Sch..., schon wieder ausgegangen. Ungefähr fünf Versuche, viel Gras und einer halben Schachtel Zündhölzer später brennt das Feuer endlich und spendet Wärme. Es knistert und ich kann meine Cervelat an einem Stecken grillen und dazu an einer Dose Bier nippen. «Ahhh, so hab ichs mir vorgestellt». Alles gerade noch rechtzeitig, denn das Tageslicht ist schon lange weg und es wird empfindlich kalt. Der sternenklare Nachthimmel und ein paar Sternschnuppen entschädigen mich dann für die Anstrengung. Die Nacht ist  kalt, aber in meinem Zelt ist es…… «hmmm, naja, fast warm».

Der nächste Morgen

Kalt, so lässt sich der nächste Morgen am besten beschreiben. Ich bin vor dem Sonnenaufgang wach. Wunderschön der Sonnenaufgang hier oben. Allerdings muss ich mich immer bewegen, damit ich nicht friere. Mit kalten Händen baue ich dann mein überfrorenes Lager ab, um mich dann in der Morgensonne zum Gasthaus Beverin aufzumachen. Dort stärke ich mich mit einem Kaffee, bevor ich mich in die Abfahrt nach Masügg aufmache. Eine Stunde später fahr ich dann über Masügg und Nollen hinab nach Thusis. Der Trail hat es in sich. Wirklich schmal und oft sehr steil, verlangt er mir alles ab. Das Zusatzgepäck auf dem Rücken tut sein Übriges. Schon um elf Uhr bin ich zurück in Thusis. Daheim angekommen, trockne ich dann noch Zelt und Schlafsack in der Mittagssonne. Wer weiss, vielleicht war es das letzte Bikebiwak der Saison.
 

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